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Raina Accardi
Karen Arm
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Über
die Flat Files
Die Flatfiles heißen auf Englisch auch plan chests oder drawers,
auf Deutsch nennt man sie Planschränke, Grafikschränke
oder Flacharchiv. Die Flatfiles sind eine innovative Möglichkeit,
die Arbeiten zahlreicher Künstler einem breiten Publikum zu
präsentieren. Seit 1994 hat Joe Amrhein Künstlern angeboten,
ihre Arbeiten in seine Galerie zu bringen, ihre Portfolios durchzugehen
und außergewöhnliche Arbeiten auszuwählen, um sie
in die Flatfiles aufzunehmen. Früher kamen die Künstler
einfach vorbei, heute muss man Termine machen um seine Arbeiten
bei Joe Amrhein in Brooklyn vorzustellen. Jeder Künstler, dessen
Arbeit aufgenommen wird, bekommt ein Portfolio in einer der Schubladen
des Planschranks oder Flacharchivs und das Publikum ist dazu eingeladen,
die Arbeiten jederzeit durchzusehen, unter der einen Bedingung,
dass sie dazu ein Paar weiße Handschuhe anziehen.
Die Flatfiles stellen für Künstler ohne Repräsentation
eine einzigartige Möglichkeit dar, ihre Arbeiten ausstellen
zu können, und für eine breitere Öffentlichkeit ergibt
sich so die Chance, das Sammeln von Kunstwerken in Betracht zu ziehen.
Dieser Veranstaltungsort füllt eine Lücke im Kunstmarkt,
indem er Künstler und Sammler, denen diese Möglichkeit
sonst nicht gegeben ist, dazu ermutigt, daran teilzunehmen. Im Grossen
und Ganzen ermöglichen die Flatfiles die Sichtung eines facettenreichen
und buntgemischten Werkkörpers an einem einzigen Ort und die
Entmystifizierung des Sichtungsprozesses, indem sie dem Publikum
erlauben, die Arbeiten in die Hand zu nehmen und sie in ihrer eigenen
Geschwindigkeit durchzusehen und auszuwählen.
Den Anfang unserer Flatfile-Sammlung in Leipzig macht eine Auswahl
von Arbeiten aus den Brooklyn-Archiven. Da wir hier eine Portfolio-Sammlung
aufbauen möchten, die unseren neuen Standort widerspiegelt,
rufen wir hiermit alle interessierten lokalen Künstler dazu
auf, uns zu kontaktieren und einen Termin zur Sichtung ihrer Werke
zu vereinbaren.
Gregory Volk, Kunstautor und -kritiker, hat die Flat Files folgendermaßen
beschrieben: "Die Galerie Pierogi 2000, deren Besitzer Joe
Amrhein selbst ein versierter Künstler ist, begann als eine
Art Forum für Künstler aus Williamsburg, New York, die
im Galeriensystem Manhattans, laut Amrhein, nur schlecht oder überhaupt
nicht vertreten waren. Die Öffnungszeiten der Galerie, Freitag
bis Montag, waren außergewöhnlich, ebenso wie die frischen
Piroggen und der Wodka, die bei den Vernissagen gereicht wurden.
Am außergewöhnlichsten jedoch war der Erfolg dieser kleinen
Galerie, die innerhalb kürzester Zeit nicht nur in der blühenden
Kunstszene Williamsburg zu einem wichtigen Treffpunkt wurde. Sie
wurde für viele Künstler, die aufgrund ihrer Ausstellungen
dort oder der Freundschaft zu Joe Amrhein ein starkes persönliches
Interesse an dem Ort hatten, zu einer Art "Zuhause". Aber
auch Andere, die keine Lust mehr hatten auf den unterkühlten,
arroganten Ton des Kunstbetriebs, in dem nur noch zählt, wer
einen Namen hat oder angesagt ist, fühlten sich in der Galerie
wohl. So hat Pierogi 2000 außer den (zunehmend) heftigen,
überwältigenden und zu jener Zeit höchst unkonventionellen
Shows, wie zum Beispiel der gefeierten, aber auch kontroversen Neuinszenierung
von Robert Smithsons "Dead Tree" , die 1969 in Deutschland
uraufgeführt wurde und bei der ein horizontal auf dem Galerieboden
liegender Baum mit Spiegeln übersät wurde, der Kunstszene
auch wieder einen menschlichen oder gar ethischen Aspekt verliehen:
die Galerie ist offen für jeden, zeichnet sich durch Großzügigkeit
und Experimentierfreudigkeit aus und obwohl man dort auch Geschäfte
machen will, fühlt man sich nicht dem Kommerz verpflichtet/hat
man doch seine Seele noch nicht an den Kommerz verkauft. Bei Pierogi
2000 konzentriert man sich tatsächlich noch auf die Künstler
und ihre Kunstwerke.
Diesen Gesamtkontext aus künstlerischem Weitblick, Freundlichkeit,
Experimentierfreudigkeit und einem risikofreudigen Geschäftssinn
kann man in Pierogi 2000s gefeierten Flat Files finden, die hier
ausgestellt werden. Die Flat Files sind auch eine schlaue Geschäftsidee,
denn es ist viel einfacher, Sammler nach Brooklyn zu bewegen, damit
sie Arbeiten auf Papier kaufen, die nur wenige hundert Dollar kosten,
statt Skulpturen oder Gemälde, die ein paar tausend Dollar
kosten. Deshalb stellen die Flat Files die wirtschaftliche Schlagader
der Galerie dar, aber sie sind noch weit mehr als nur das. Jedes
Jahr kann bloß eine bestimmte Menge an Ausstellungen realisiert
werden, aber Amrhein ist daran interessiert, eine möglichst
breite Palette an Künstlern zu präsentieren, und die Flat
Files geben ihm die Möglichkeit dazu, dies ohne großen
finanziellen Aufwand zu tun. Diese Galerie hat mit Sicherheit weder
einen heimlichen wohlhabenden Gönner im Rücken, noch ein
zweites lukratives Standbein auf dem Kunstmarkt. Gleichzeitig stellt
sie ein lebendiges Forum für die Kunstszene dar und tatsächlich
sind bereits unzählige Künstler, nachdem Galerien, Museen
oder Kuratoren ihre Werke in den Flat Files entdeckt hatten, zu
anderen Gruppen- oder Einzelausstellungen eingeladen worden."
"In der Rubrik der unbekannteren Kunstwerke -normalerweise,
aber nicht immer, auf Papier-
lassen die Flat Files alle Arten von unterschiedlichen Ansätzen
und Ästhetiken zu, und neben einer robusten und demokratischen
Begeisterung spielt natürlich auch die Qualität eine Rolle.
Die Flat Files sind voller Entdeckungsmöglichkeiten und so
sind sie auch gemeint: weder als statisches, noch informationelles
Archiv, sondern als eine blühende, sich ins Endlose ausdehnende
Spielwiese, die einen wahnsinnig interessanten, aktiven Zugang zu
zeitgenössischer Kunst ermöglicht. Und obwohl durchaus
bekannte Künstler vertreten sind, sind die Flat Files nicht
nur den Künstlern vorbehalten, die bereits sehr viel Aufmerksamkeit
von Kommerz und Kritik erhalten haben."
The
Flat File Travels
past, present, and future
University
Art Museum
University at Albany
Pierogi: The Flat Files
Albany, NY
September, 2004
The
Andy Warhol Museum
Pierogi: The Flat Files
Pittsburgh, PA
February 6 March 30, 2004
The
University of Southern Maine
Pierogi: The Flat Files
Gorham, Maine
September 2003
The
Currier Museum of Art
New York, New Work, Now!
Manchester, New Hampshire
September 28, 2002 January 12, 2003
Block
Artspace
The Pierogi Flatfiles
Kansas City, Missouri
January 19 February 28, 2001
POST
Gallery
Haulin' Ass
Los Angeles, California
November 18 December 16, 2000
Yerba
Buena Center for the Arts
Multiple Sensations
San Francisco, California
August 4 October 22, 2000
Rosenwald-Wolf
Gallery
The University of the Arts
Pierogi 2000: The Flatfiles
Philadelphia, Pennsylvania
November 4 December 4, 1999
Bard
College
Pierogi Goes to College
Rheinbeck, New York
October 5 November 5, 1998
Vassar
College
Pierogi Goes to College
Poughkeepsie, New York
October 5 November 5, 1998
Kunstlerhaus
Pierogi 2000, New York: The Flatfiles
Vienna, Austria
August 28 September 28, 1998
Weatherspoon
Art Gallery
Art on Paper
Greensboro, North Carolina
November 16, 1997 January 18, 1998
Cornerhouse
New York Drawers, The Pierogi 2000 Flatfiles
Manchester, England
October
4 November 16, 1997
Gasworks
New York Drawers, The Pierogi 2000 Flatfiles
London, England
August 30 September 28, 1997
The
Brooklyn Museum of Art (BM)
Current
Undercurrent: Working in Brooklyn
Brooklyn, New York
July 24, 1997 January 25, 1998
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